Pannenhelfer elektrisch auf Patrouille
Seit 23 Jahren ist der TCS-Patrouilleur Marcel Blum in der Zentralschweiz unterwegs, um Menschen und Fahrzeuge in Not wieder mobil zu machen. Sein wichtigstes Werkzeug: ein vollelektrischer ID. Buzz Cargo.
Text & Fotos: Dominique Zahnd
Kaum hat Marcel Blum seinen leuchtend gelben ID. Buzz auf dem Gelände des TCS-Centers in Emmen (LU) parkiert und den Computer im Heck und Cockpit hochgefahren, da piepst es schon. Die Disposition schickt ihm den ersten Auftrag: Ein E-Bike ist liegengeblieben. In solchen Fällen kommt die TCS-Pannenhilfe ebenfalls zum Einsatz, denn der Touring Club Schweiz bietet auch Mobilitäts-Versicherungen für Motorräder und Velos an.
Der 51-Jährige verschwindet kurz im Lager und kommt mit einem Veloträger zurück. Wenige Handgriffe später ist dieser auf der Anhängerkupplung des ID. Buzz Cargo montiert. Auf den Strassen rund um Luzern herrscht um diese Zeit noch wenig Verkehr. Kurz vor dem Einsatzort greift der Pannenhelfer zum Telefon. Erst wenn er abschätzen kann, wann er eintrifft, ruft er seine Kunden an. Die Besitzerin des E-Bikes freut sich auf sein baldiges Erscheinen.
Viel Platz und trotzdem wendig
Die Einfahrt bei einem Luzerner Schulhaus ist eng. Blum manövriert den Elektrobus problemlos hinein. «Kurzer Radstand, kleiner Wendekreis, viel Platz im Innern: Für meinen Job ist der ID. Buzz Cargo das perfekte Auto», sagt der Patrouilleur. Er steigt aus, begrüsst die Velo-Besitzerin und kümmert sich um den Patienten auf zwei Rädern. Die Ursache ist schnell gefunden: Ein tiefer Schlitz im Pneu verursacht den Platten. Er macht Fotos und nimmt die Personalien der Kundin auf. Dann wird das E-Bike auf dem Träger am Heck befestigt und huckepack zu einer Velowerkstatt nach Kriens transportiert.
Marcel Blum sitzt seit 23 Jahren für den TCS hinter dem Lenkrad. Seit Dezember 2024 ist der Patrouilleur mit dem Elektrobus von VW Nutzfahrzeuge unterwegs und hat bereits über 60 000 Kilometer zurückgelegt. Sein Dienstfahrzeug ist eines von drei Exemplaren, das der TCS bisher angeschafft hat. Die anderen kommen in der Region Zürich und in der Waadt zum Einsatz. «Der ID. Buzz Cargo ist aktuell das einzige Elektro-Modell, das Allradantrieb, genügend Stauraum und ausreichend Reichweite bietet», erläutert Fabian Plüss, Leiter Servicecenter und Flottenverantwortlicher beim TCS, die Auswahlgründe.
Was Marcel Blum am Elektrobus ebenfalls überzeugt: «Mit seiner Power bietet er viel Fahrspass, bleibt im Innern aber stets angenehm ruhig.». Still ist es im ID. Buzz deswegen aber nicht. Der Hobbyjodler nutzt das Cockpit öfter als Proberaum und bereitet sich laut singend und juchzend auf seine nächsten Auftritte vor.
Werkstatt auf vier Rädern
Die häufigste Ursache für einen TCS-Einsatz ist seit Jahren die Starterbatterie. Dahinter folgen Reifenpannen, Schwierigkeiten mit dem Autoschlüssel, leere Tanks, defekte Elektronik, Softwarefehler und blockierte Fahrzeuge. Nach heftigen Hagelstürmen wie Ende August muss der TCS auch wegen zerstörter Scheiben und gefluteter Fahrzeuge ausrücken.
Marcel Blum ist für fast alles ausgerüstet. Damit das ganze Material mit auf Patrouille kann, wurde das zulässige Gesamtgewicht des ID. Buzz Cargo auf 3,5 Tonnen aufgelastet. Mit an Bord sind unter anderem ein vollwertiges Ersatzrad, zwölf verschiedene Ersatzbatterien, ein Luftkompressor, diverse Kanister und unzählige Werkzeuge. Ist die Hochvoltbatterie eines Elektroautos leer, liefert ein Wechselrichter samt Akku genügend Energie für die Fahrt zur nächsten Ladestation. Und fürs Abschleppen hat Blum ein Seil und eine Stange dabei. Da spielt der ID. Buzz eine weitere Stärke aus: Dank der gleichmässigen Kraftentfaltung des Elektroantriebs lässt sich das Anfahren beim Abschleppen besonders fein dosieren.
Im Cockpit piepst es inzwischen erneut. Der nächste Hilferuf kommt aus Baar, wo ein Auto nicht mehr anspringen will. Der Kunde wartet bereits vor einem hübschen Haus in einem noblen Viertel. Blum öffnet die Motorhaube und sucht im Innern alles mit seiner Taschenlampe ab. Dann schliesst er sein Messgerät an. Die Diagnose: Der Alternator muss ersetzt werden. Der Patrouilleur lädt die Starterbatterie so weit, dass der Besitzer selbst zur Werkstatt fahren kann.
Einsätze im Kanton Zug führen den TCS-Mitarbeiter zuweilen in eine völlig andere Welt. Er war bereits bei Milliardären, prominenten Sportlern und Popstars zu Hause. Die gutbetuchten Besitzer trifft er selten. «Mir öffnet meistens ein Butler das Tor, oder ein Gärtner führt mich in die Tiefgarage – dort können schon mal 30 bis 40 Luxusautos nebeneinanderstehen.»
Ob bekannt oder nicht, für Blum bleibt der Job derselbe. So auch beim nächsten Einsatz: Ein deutscher Wohnmobilfahrer ist an einer stark befahrenen Strasse liegengeblieben. Die Anzeige hat dem Fahrer einen falschen Füllstand vorgegaukelt, der Tank ist bis auf den letzten Tropfen leer.
Weiterfahrt in acht von zehn Fällen
Während Lastwagen dicht am Camper vorbeirauschen, holt der Pannenhelfer einen Kanister aus dem ID. Buzz. Der Diesel läuft glucksend in den Tank. Ein Dreh am Zündschlüssel – und schon springt der Motor wieder an. Einen zufriedenen Händedruck später ist der Urlauber wieder auf dem Heimweg. Womit das Hauptziel des TCS erreicht wäre: die Panne vor Ort zu beheben, was in acht von zehn Fällen gelingt.
Das Bordsystem mahnt Blum nun zur Mittagspause. Er steuert einen Waldparkplatz an und beisst genüsslich in sein Sandwich. Anschliessend gönnt er sich einen frisch gebrühten Espresso – direkt aus der bordeigenen Kaffeemaschine. Den nötigen Strom liefert die Batterie des Wechselrichters, mit der auch sämtliche Werkzeuge betrieben werden.
Das Revier des Patrouilleurs reicht von Luzern und Nidwalden über Zug bis zum Seelisberg-Tunnel und ein Stück weit in den Aargau hinein. Dabei ist er bei jedem Wetter unterwegs. Auch im Winter und bei Schnee meistert der Bus die Einsätze souverän.
Pro Schicht erledigt Marcel Blum fünf bis elf Aufträge. Nachladen muss er unterwegs nicht: Die Reichweite des ID. Buzz, die auch bei kalten Temperaturen rund 300 Kilometer beträgt, reicht für seinen Arbeitstag aus. Über Nacht wird der Bus vor seinem Haus an der eigenen Wallbox geladen. Das Fahrzeug ist für ihn längst ein fester Bestandteil seines Lebens. Wenn er aber mit dem Privatauto unterwegs ist, überlasse er gerne seiner Frau das Steuer, erklärt Blum lachend.