Die Foodtrucks der Foodfabrik – Chivito-Burger aus dem Bulli
Mit zwei historischen VW Bussen ist die Foodfabrik an Anlässen in der ganzen Schweiz unterwegs, um ihre beliebten südamerikanischen Burger anzubieten. Schon bevor sie zu Foodtrucks umgebaut wurden, hatten die beiden Bullis einiges erlebt.
Text: Reto Neyerlin
Fotos: Foodfabrik
Der Geruch von feinem Essen strömt über den Platz, während unzählige Familien mit Kindern und Teenager-Gruppen zwischen den Ständen flanieren. Die Auswahl ist enorm, Köstlichkeiten aus aller Welt werden angeboten. Besonders gross ist die Schlange beim Foodtruck der Foodfabrik, der aus zwei Gründen die Festbesucher anzieht: Da wären die uruguayischen Chivito-Burger, die so exotisch wie gut sind. Für Aufsehen sorgt aber auch der Foodtruck an sich – ein prächtig restaurierter und aufwendig umgebauter Bulli.
Hinter der Foodfabrik stehen der gelernte Koch Roberto Kaiser und seine Partnerin Martina Kretz, die für das Administrative zuständig ist. Das kleine Familienunternehmen aus Künten (AG) setzt auf Catering und mobile Gastronomie, und zwei historische VW Busse bilden das Herzstück ihrer Tätigkeit. Vor allem Roberto war schon immer ein Fan der Bullis: «Seit ich als Kind das erste Mal einen VW Bus in unserem Dorf sah, wollte ich unbedingt einen haben.» Damals konnte er noch nicht ahnen, dass diese Leidenschaft später auch in sein Geschäftsleben fliessen würde.
Kurz nach der Gründung des eigenen Unternehmens im Jahr 2013 nahm das Paar mit einem Stand versuchsweise an einem Streetfood-Festival teil. Ihr Angebot – uruguayische Chivito-Burger – kam dabei so gut an, dass sie sich entschieden, nebst dem klassischen Event-Catering auch auf diese Schiene zu setzen. Aber um richtig mobil zu sein, musste ein Foodtruck her – «und dafür kam natürlich nur ein Bulli in Frage», betont Roberto.
T1 und T2 wurden zu Foodtrucks
Das geeignete Objekt fanden sie in einem 1972er T2 Hochdach, den sie in aufstöberten. Der Preis stimmte und der Motor war in Ordnung, dennoch gestaltete sich die Überfahrt zu einem kleinen Abenteuer: Die defekte Kupplung machte schon leichte Anstiege zu Herausforderungen, zudem fing es auf dem Weg zu schneien an. «In drei Etappen schafften wir es aber in die Schweiz.»
Die Geschichte ihres zweiten Bullis ist noch aussergewöhnlicher. Der blaue T1 wurde 1962 nur mit der Kabine in Deutschland produziert, anschliessend nach Australien verschifft und dort in einer Kleinserie von 127 Stück zu einem «Box Van» aufgebaut. Später gelangte er nach England, von dort in die USA und wieder zurück nach England, wo ihn Roberto Kaiser schliesslich erstand. Er ist einer von 13 Bussen aus der Kleinserie, die bis heute überlebt haben.
Bevor sie als Foodtrucks eingesetzt werden konnten, gab es bei beiden Fahrzeugen einiges zu restaurieren. Die Karosserie und der Motor wurden von Spezialisten überholt, bei den Spenglerarbeiten half Roberto Kaiser nach besten Kräften mit. Den Innenausbau übernahm er dann komplett selbst. Die grosse Herausforderung war, die ganze Kücheneinrichtung unterzubringen: «Der Platz in einem historischen Bulli ist eher knapp bemessen», sagt der Inhaber, «am Schluss passte aber alles Nötige rein.»
Uruguayische Burger-Spezialitäten
Seit rund zehn Jahren verkauft die Foodfabrik aus den Bussen ihre beliebten Chivito-Burger. Doch wie kommt man als Schweizer Koch dazu, hierzulande ein uruguayisches Nationalgericht anzubieten? Praktisch gleichzeitig mit der Firmengründung erwarb das Paar 2013 das Kleinunternehmen «Paula’s Chimichurri», dass die gleichnamige argentinische Dipp-Sauce herstellte. So lag es nahe, ein Gericht zu suchen, das sich mit der Sauce kombinieren liess – und Roberto Kaiser landete bei den Chivito-Burgern. «Wir wollten etwas, das sich in der hiesigen Gastro-Landschaft abhebt», erklärt er und fügt lachend hinzu: «In Uruguay waren wir aber noch nie.»
Die Foodfabrik hat die Burger neu interpretiert. Gefüllt werden die Brote mit zartem Pulled Beef oder Pulled Pork, also lange gegartem, auseinandergezogenem Rind- oder Schweinefleisch, und verfeinert mit Chimichuri- oder Himbeer-Barbecue-Sauce. Als vegane Variante gibt es sie mit Falafel und Humus.
Während einer kurzen Zeit nutzten sie den blauen T1, um auch hawaiianische Poke Bowls anzubieten. Das südamerikanische Gericht läuft aber so gut, dass sie inzwischen in beiden Bussen Chivito-Burger zubereiten. Vor allem an den Wochenenden und in der Sommer- und Weihnachtssaison sind die Oldtimer häufig gleichzeitig an Firmenanlässen, Privatfesten oder Festivals in der ganzen Schweiz im Einsatz.
Praktische Schmuckstücke
Dabei bieten die Bullis einige Vorteile. Sie sind sehr schnell aufgestellt und passen in jede Lücke. Und abgesehen von einem Starkstromanschluss, der für die Küchengeräte benötigt wird, funktionieren sie autark. Besonders hebt Roberto Kaiser aber das Visuelle hervor: «Die VW Busse sind echte Schmuckstücke und geben an jedem Anlass ein schönes Bild ab.» Auch von Volkswagen Garagen werden die Foodtrucks oft für Kundenevents gebucht.
Für schöne Bilder im wortwörtlichen Sinn sorgt der Foto-Bulli, der sich ebenfalls im Besitz der Foodfabrik befindet und für Events gemietet werden kann. Die Basis der mobilen Fotokabine ist ein T1-Hochdachbus aus dem Jahre 1966, der früher für die PTT seine Dienste erledigte und entsprechend ein Rechtslenker ist. Und damit nicht genug der VW Busse: Zuletzt kam ein weiterer T2 hinzu, der sich in der Aufbereitung befindet. Denn auch wenn die Bullis ihre Aufgaben in der Regel zuverlässig erledigen, fallen bei den Oldtimern ab und zu Auffrischungsarbeiten an. «Mit dem zweiten T2 haben wir nun den passenden Ersatz parat.»