Blauer Volkswagen Amarok Pickup vor einem blau-gelben marokkanischen Gebäude mit Palmblättern im Vordergrund.
Reisen und Lifestyle

Abenteuertour in Marokko mit dem VW Amarok

Auf zur «blauen Perle» im Rif-Gebirge
Ob auf den erstaunlich gut ausgebauten Strassen Marokkos von Tanger Richtung Süden oder in der wilden, schroffen Natur des waldreichen Talassemtane-Nationalparks – der VW Amarok ist stets in seinem Element.

Text: Jürg A. Stettler
Fotos: Jürg A. Stettler / Volkswagen Nutzfahrzeuge

Tanger, die 1,4-Millionen-Stadt an der Strasse von Gibraltar, begrüsst uns mit über 37 Grad Celsius, die sich durch den feuchtwarmen Levante-Wind noch heisser anfühlen. Die marokkanische Hafenstadt ist eine beliebte Destination für Golf-Fans, die auf dem mehr als 110 Hektar grossen, wunderbar gepflegten 18-Loch-Golfplatz «Al Houara» an ihrem Handicap arbeiten. Doch wir wollen keine gepflegte, sondern wilde, unberührte Natur, um die gesamte Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten des VW Amarok zu testen.

Historische Festungsanlage Kasbah in Marokko aus lehmfarbenem Stein mit Zinnen, Turm und Fussgängern auf dem Vorplatz.
Taxis am Flughafen in Marokko vor einer grossen schwarzen Preistafel mit arabischer Schrift und marokkanischen Flaggen im Hintergrund.

Geschichtsstunde im Taxi

Vom Flughafen geht's im Taxi bis zur VW-Vertretung im Aussenquartier von Tanger. Fahrer Yassid liefert auf der kurzen Fahrt in einem wilden Mix aus Französisch und Englisch eine spontane Lektion in marokkanischer Geschichte und erklärt, wieso Gibraltar und halb Spanien eigentlich ebenfalls noch zum Königreich gehören müssten. Stolz ist man in Tanger auch auf den baldigen Besuch von König Mohammed VI. Überall wehen Marokko-Flaggen, und entlang der Strassen sind ganze Putztrupps im Einsatz, die die Hafenstadt aufhübschen. Schon kurz danach fühlen wir uns selbst wie der marokkanische König und thronen am Steuer des VW Amarok dank der hohen Sitzposition regelrecht überm Rest des Verkehrs. Die erste Etappe unserer Abenteuertour führt uns nach Süden Richtung Chefchaouen, einer Stadt, die seit 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Schweissperlen trotz Klimaanlage

Wir gleiten in unserem stattlichen Pick-up fast schon limousinenhaft dahin. Geniessen die Vorzüge der Klimaanlage in der geräumigen DoubleCab, während die Hitze draussen den Asphalt teils flimmern lässt. Die langsam, aber stetig ansteigende Route führt uns an verschiedenen Stauseen vorbei. Immer wieder müssen wir Checkpoints der königlichen Gendarmerie passieren. Der VW Amarok wird dabei ebenso kritisch beäugt wie wir hinter dem Lenkrad, unser Puls steigt jeweils, aber wir werden stets durchgewunken. Wohl auch, weil wir uns brav an den Hinweis der VW-Verantwortlichen halten und trotz gewisser Versuchung darauf verzichten, Erinnerungsfotos mit den Uniformierten zu machen.

Weisser VW Amarok Pickup mit Hardtop auf einem Sandweg neben einem Flusslauf mit blühenden rosa Oleanderbüschen.
Mann giesst auf einer Waldlichtung traditionellen marokkanischen Tee aus einer Silberkanne auf ein Tablett mit Gläsern ein.

Abstecher für Espresso und Furt

Wir überholen kühn beladene, aber unverwüstliche Nutzfahrzeuge der 1960er-Jahre und arbeiten uns durch einen Verkehrsmix aus französischen Modellen der frühen 1980er- und 1990er-Jahre und neuen Dacia-Modellen, die in Tanger gebaut werden, weiter vor. Nach der Hälfte der Strecke legen wir bei Omar eine kurze Pause ein. Er betreibt einen der vielen mobilen Kaffeeshops und braut uns mit einer Kolbenmaschine im Heck seines alten Kastenwagens einen Espresso. Herrlich dessen fluffige Crema und sein leicht bitterer Geschmack. Und wir glaubten, wir müssten uns in Marokko zur Erfrischung vor allem mit süssem Minztee begnügen, weit gefehlt!

Bis zur Hotelanlage Dar Ba Sidi mit Sicht auf die «blaue Perle» Marokkos, wie Chefchaouen auch genannt wird, passieren wir danach weitere Strassensperren unbehelligt und erkunden derweil das digitale Cockpit des Amarok. Es bleibt sogar noc h Zeit, die Furt des Flusses Laou gleich hinter der Hotelanlage zu durchfahren und dabei die Rundumsicht der Area-View-Kamera sowie die Watttiefe des Amarok zu prüfen. Während wir uns langsam und souverän auf die andere Flussseite vorarbeiten, weht durch die geöffneten Fenster der Duft der Oleanderbüsche, die das Flussufer säumen, vermischt mit den herben Aromen der Rosmarinsträucher daneben. Über einen holprigen Feldweg geht’s in einer kleinen Runde zurück zum Hotel.

Gartenweg an einem blauen marokkanischen Anwesen, gesäumt von leuchtend rosa Bougainvillea-Blüten und Backsteinmauern.

Magische Farbenwelt in Blau

Schon von weitem wird klar, woher die 46'000-Einwohner-Stadt in den Ausläufern des Rif-Gebirges ihren Übernamen hat. Bei einigen Häusern der Medina sticht das Blau schon aus der Distanz hervor. Bereits seit dem 15. Jahrhundert werden die Wände und Treppen der Altstadthäuser eingefärbt, um Insekten fernzuhalten und an heissen Tagen die schmalen Gassen zu kühlen. Beim Ausflug am Abend tauchen wir in diese magische Fabelwelt der schillerndsten Blautöne ein, von Türkis bis Kobalt. Währenddessen steigt uns aus den Gewürzläden eine raffinierte Symphonie aus Zimt, Kardamom, Kurkuma und Kreuzkümmel in die Nase und entführt uns immer tiefer in diese orientalische Märchenwelt. Wir hören noch zu, wie der Muezzin in der spanischen Moschee von 1920 auf dem Hügel hinter der Altstadt zum Abendgebet ruft, dann geht's für uns zurück, denn morgen soll es früh losgehen. Wir wollen über einen Weg, der eher einem ausgewaschenen Bachbett gleicht, den Berg hinter Chefchaouen erklimmen.

Zwei Pickup-Trucks fahren auf einem steilen, staubigen Schotterweg durch einen Pinienwaldhang in den Bergen. Der Blick ist von der Beifahrerseite eines dritten Fahrzeugs aus auf den Konvoi gerichtet.

Bewährungsprobe für Allradantrieb

Anderntags kann sich endlich auch der zuschaltbare Allradantrieb samt Geländeuntersetzung des VW Amarok bewähren. Meter um Meter arbeiten wir uns über das oft lose Geröll den Hang hinauf und schätzen die Vorzüge des 4MOTION, der mächtigen 18-Zoll-All-Terrain-Reifen, des 30-Grad-Rampenwinkels und der präzisen Lenkung. Wirklich ins Schwitzen kommen wir in der klimatisierten DoubleCab trotz marokkanischer Bruthitze nie. Zu souverän arbeitet sich der VW immer weiter Richtung Gebirgssattel und angenehmeren Temperaturen hoch. Zur Not helfen bei ganz heiklen Stellen auch die zuschaltbaren Fahrmodi locker weiter.

Hier oben im Talassemtane-Nationalpark leben auf fast 600 Quadratkilometern noch Ginsterkatzen und Berberaffen. Die Kiefer und Tannen zusammen mit dem satten Grün und der frischen Luft erinnern uns fast etwas an Schweizer Bergwälder, doch der ungewohnte Hauch und das satte Gelb des Ginsters holen uns rasch wieder ins schroffe Rif-Gebirge zurück. Hübsch, wenn auch dornig und irgendwie an Disteln erinnern die blauen Stauden des Mannstreu – und nein, der wird nicht abgekocht, um Farbe für die Gassen von Chefchaouen zu gewinnen. Und wenn man mehr Glück hat als wir, dann kreist vielleicht gar ein Steinadler majestätisch am Himmel. Dort, wo die Aussicht auf die wildromantische Bergwelt zwar atemberaubend ist, der Weg sich aber ohne Leitplanken am steilen Abhang entlangschlängelt. Wir müssen zwischendurch auf der fast achtstündigen Tour sogar die Scheibenwischer aktivieren, zu viel Staub wirbelt die Amarok-Karawane vor uns auf.

Terrassen voller «Bergminze»

Wir halten schliesslich bei einem kleinen Hain von nur hier wachsenden marokkanischen Tannen und machen ein Erinnerungsfoto vom verrosteten und schief zwischen den seltenen Bäumen stehenden Nationalparkschild. Auf dem Rückweg stossen wir zu unserer Überraschung nach der Passhöhe plötzlich auf wunderbar gepflegte und bewässerte Terrassen. Hier, versteckt vor den wachsamen Augen der marokkanischen Gesetzeshüter, wird in grossen Mengen Marihuana angebaut. Die Männer meist noch in der traditionellen Dschellaba, einem weiten Gewand mit spitzen Kapuze gekleidet, blicken meist nur kurz auf und begutachten unsere viel Staub aufwirbelnden VW-Karawane etwas argwöhnisch. Dann widmen sie sich wieder ihrer Feldarbeit. Die spezielle «Bergminze» verschafft den Bauern in dieser schroffen Natur ein wichtiges Zusatzeinkommen.

Ein verrostetes grünes Metallschild steht auf einer grasbewachsenen Lichtung und markiert den Eingang zum 'Parc National de Talassemtane' in Marokko. Das Schild trägt Beschriftungen in Französisch und Arabisch.
Ein weisser Pickup-Truck fährt auf einer unbefestigten Piste durch terrassierte landwirtschaftliche Felder in einer bergigen Region. Das Fahrzeug wirbelt dabei Staub auf.

Nach den intensiven Tagen zwischen Tanger, Chefchaouen und den abgelegenen  Bergwelten des Talassemtane-Nationalparks sehnen wir uns nach einer herzhaften Tajine, Couscous-Salat mit frischem Koriander und etwas Ruhe. Beim Abendessen lassen wir die Erinnerungen nochmals Revue passieren und ertappen uns schon dabei, wie wir bereits neue Reisepläne zu schmieden. Je nach Tour vielleicht sogar inklusive des einen oder anderen Amarok-Offroad-Extra für noch abenteuerlichere Ziele.