Abenteuer im California
Gleitschirmflieger Patrick von Känel fuhr mit seiner Familie im neuen California quer durch Osteuropa bis in die Türkei. Was sie alles erlebt haben, schildern sie uns nach ihrer Rückkehr.
Drei Monate zu viert in einem California, und das erst noch mit zwei Kleinkindern. «Ob das wohl gut geht?», fragten sich Nicla Caprari (28) und Patrick von Känel (31), bevor sie sich am 17. August letzten Jahres auf den Weg machten. Um das Fazit vorwegzunehmen: «Es ging gut – und wie!»
Einen Camper hat die Familie von Känel-Caprari schon länger. Diente ihr erst ein umgebauter Caddy als mobiles Hotelzimmer, ist sie seit 2022 in einem California von VW Nutzfahrzeuge unterwegs. Im Frühling 2025 erfolgte das nächste Upgrade, mit dem neuen California Ocean inklusive 4MOTION und Plug-in-Hybridantrieb. «Bis letzten Sommer war unser Reisemobil jedoch nur an Wochenenden und bei Wettkämpfen zum Einsatz gekommen, für mehr hatte schlicht die Zeit gefehlt», erzählt Patrick von Känel, seit über einem Jahrzehnt einer der besten Gleitschirmflieger der Schweiz.
Im August 2025 bot sich dann die Gelegenheit für einen längeren Trip: Nach den Red Bull X-Alps – der 31-jährige Berner Oberländer beendete das härteste Ausdauerrennen der Welt auch bei seiner vierten Teilnahme in den Top 10 – zeigte sich im Terminkalender eine Lücke. Das Ehepaar entschied sich, den California vollzupacken und gegen Osten aufzubrechen. Mit an Bord: die beiden Kinder Tessa (3) und Tobia (1) – und natürlich ein Gleitschirm, der zusammen mit warmen Kleidern in der Dachbox unterkam.
5000 Kilometer nach Osten
Als Ziel hatten sie Kappadokien in der Türkei auserkoren. Die spektakulären Felsformationen in Zentralanatolien sind ein Mekka für Ballonfahrer und Paraglider. Von Kandersteg aus führte sie eine rund 5000 Kilometer lange Route über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien und Griechenland. Wichtig war ihnen, nicht alles im Voraus zu verplanen. «Wir sind einfach losgefahren. Und wenn uns etwas gefallen hat, sind wir abgebogen», erzählt Nicla Caprari, die Teilzeit als Flight-Attendant arbeitet. «Die Landschaft hat uns geleitet.»
Mit dem neuen California, den Patricks Mobilitätspartner, die Garage Wenger AG in Matten bei Interlaken, zur Verfügung stellt, hatten sie ihre Basis immer dabei. Meist kochten sie auf dem Gasherd selbst. «Mit kleinen Kindern ist das einfacher als im Restaurant», meint Patrick. Zudem sei das Lüften dank der zweiten Schiebetür nochmals praktischer geworden. Bei schlechtem Wetter drehten sie die Fahrersitze um, klappten den Tisch hoch und fertig war das Esszimmer. Meist aber assen sie draussen unter freiem Himmel, denn das Wetter meinte es gut mit ihnen.
Als besonders familienfreundlich erwiesen sich die beiden abtrennbaren Schlafplätze. Die Kinder schliefen auf der Matratze unter dem Hochstelldach, die Eltern auf der Liegefläche, die sich über den beiden flachgelegten Fondsitzen ausbreiten lässt. «Sobald die Kinder oben im Bett waren, hatten wir unten Ruhe und Zeit für uns», so die Eltern.
Drei Monate voller Höhepunkte
Aus Rücksicht auf die Kleinen – und die Nerven der Erwachsenen – wurde pro Tag meist nur eine Stunde gefahren. Umso mehr Zeit blieb für das Erkunden der jeweiligen Umgebung und das Besuchen von Sehenswürdigkeiten. «Jedes Land hatte seine ganz eigenen Höhepunkte», stellen sie rückblickend fest. Die schönsten Strände fand die Familie von Känel-Caprari in Albanien. In Montenegro begeisterte sie der Kontrast zwischen den Bergen und dem Meer. «Am besten gefallen hat uns aber die Türkei – von den Leuten über das Essen bis zur Landschaft», fällt das Urteil einstimmig aus.
Mit Händen und Füssen
Im Land, das auf zwei Kontinenten am Bosporus liegt, waren sie fünf Wochen lang unterwegs. Und während sie im EU-Raum meist auf Campingplätzen übernachteten, wurde hier ganz legal wild gecampt – wenn sie nicht gerade eingeladen waren. Denn in der Türkei reichte es häufig aus, in einem kleinen Dorf nach einer Einkaufsmöglichkeit zu fragen, um fünf Minuten später bei einer Grossfamilie am Esstisch zu sitzen. «Dank Übersetzungs-App und mit Händen und Füssen klappte es sogar mit der Kommunikation», erinnert sich der Familienvater lachend an die Begegnungen in der Türkei.
Eine Rolle spielte dabei auch seine Fliegerei. Denn der Name Patrick von Känel ist in der Paragliding-Community weltweit ein Begriff – unter anderem wegen seines Weltrekordflugs durch einen 152 Meter langen Strassentunnel. Als er in der Türkei über die berühmten Kalksteinterrassen von Pamukkale geflogen war und auf Instagram Bilder davon gepostet hatte, wurde er sofort für einen Vortrag bei einer regionalen Gleitschirmschule angefragt. «Häufig wussten die Leute vom nächsten Ort bereits, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind», staunt der Profisportler. Während der Fahrt erhielt die Familie sogar eine offizielle Einladung von Kappadokien Tourismus, ihrem Zielort.
Plattfuss für acht Euro geflickt
In der Türkei hatten sie auch die einzige Panne der Reise. Ein platter Reifen war innert 20 Minuten für rund acht Euro geflickt – Nachtessen beim Garagisten inklusive. Insgesamt hat sich der California bestens bewährt. «Er fährt sich sehr komfortabel und bietet genug Platz für eine ganze Familie. Dennoch ist er handlich und kommt überall durch», sagt Patrick, der auch froh um den Vierradantrieb war.
«Wir haben teils abenteuerliche Strecken absolviert.» Den reinen Elektroantrieb des Plug-in-Hybrids haben sie auf der Reise hingegen selten genutzt. «Das ist aber das Tolle am Auto», betont Nicla: «Während wir in der Schweiz fast alles elektrisch fahren, konnten wir beim Roadtrip auf den Verbrenner zurückgreifen. Der California deckt all unsere Bedürfnisse ab.»
Wild campen macht erfinderisch: Der California hilft am Waschtag mit.
An das Leben auf engem Raum gewöhnten sie sich schon nach kurzer Zeit. «Wir hätten problemlos ein Jahr lang weiterreisen können», bestätigen beide Eltern: «In solchen Situationen merkt man, wie wenig es eigentlich zum Leben braucht.» Wobei da auch die Fantasie der Kinder hilfreich war. Spielsachen hatten sie kaum mit dabei, und so wurden aus Steinen Helikopter, Holzstöckchen verwandelten sich kurzerhand in Delfine. Tessa war von der Reise derart begeistert, dass sie nun fortwährend fragt, wann es mit dem Bus nach Afrika gehe. Denn für die Familie von Känel-Caprari ist bereits klar: Die nächste lange Reise mit dem California wird möglichst bald in Angriff genommen.
Text Reto Neyerlin
Fotos Patrick von Känel