VW Bus unter Strom

VW Bus unter Strom

Den Transporter 6.1 gibt es nun auch elektrisch – als Kleinserie von Abt e-Line. Auf einer Testfahrt im Allgäu überzeugt der e-Transporter mit Qualitäten, die ihn vor allem für Kurierdienste oder Handwerker zum idealen emissionsfreien Nutzfahrzeug machen.

Text Reto Neyerlin Fotos Abt e-Line

Der Name Abt Sportsline ist ein fester Begriff im Motorsport und in der Tuningszene. Seit Jahrzehnten werden in den Werkshallen in Kempten, der Hauptstadt des Allgäus, kompetitive Sportwagen herangezüchtet. Weniger bekannt ist hingegen der elektrische Ableger, die Abt e-Line, die seit 2007 VW Nutzfahrzeuge in Kleinserien zu Elektrofahrzeugen umrüstet. Kürzlich sind zwei neue Modelle hinzugekommen: der e-Transporter 6.1 und der e-Caravelle 6.1.

«Wir haben den e-Transporter bewusst auf die Bedürfnisse der städtischen Zulieferer ausgerichtet, also auf Kurierfahrer, Handwerker oder Bäckereien», sagt Uwe Asbach, der technische Leiter von Abt e-Line. Das Entwicklungsziel war, selbst im Winter mit einer Batterieladung mindestens 100 Kilometer weit zu kommen – mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 138 Kilometern wird dies locker geschafft. Und auch die angepeilte Zuladung von einer Tonne ist mit 1096 Kilogramm maximaler Nutzlast erreicht.

Doch vorerst genug der technischen Details, wir wollen nun selber erleben, wie sich der elektrische VW Bus fährt. Also schwingen wir uns im Hof der bayrischen Autofabrik auf den Fahrersitz, drehen den Schlüssel und hören – erstmal nichts, wie eben in allen E-Autos. Einzig die nun aktiven Instrumente mit Ladeanzeige und Fahrmodus zeigen, dass das Auto fahrbereit ist. Den Fahrwahlhebel auf D, ein herzhafter Tritt aufs Gaspedal, und zügig setzt sich der e-Transporter 6.1 in Bewegung. Die Höchstgeschwindigkeit ist ebenfalls auf die Zielgruppe angepasst und auf 90 Stundenkilometer begrenzt. Optional kann sie auf 120 km/h erhöht werden.

Ganzer Laderaum verfügbar

Die 200 Newtonmeter des 83-Kilowatt-Elektromotors bewegen den Kastenwagen flüssig durch den Verkehr. Das Batteriepaket – 333 Kilogramm schwer und 37,3 kWh stark – ist platzsparend im Fahrzeugboden untergebracht. Das sorgt für einen tiefen Schwerpunkt, vor allem aber stehen dadurch die ganzen 6,7 Kubikmeter an Laderaum zur Verfügung – oder bis zu neun Sitzplätze im Abt e-Caravelle 6.1. In den meisten Fällen wird wohl über Nacht geladen, was an einer Wallbox rund fünfeinhalb Stunden dauert. Über eine Schnellladestation sind die Akkus in 45 Minuten wieder zu 80 Prozent voll.

Ein interessantes Detail am Rande: Die Abt e-Modelle laufen zuerst ganz herkömmlich vom Band, also inklusive Verbrennungsmotor. In Kempten wird dieser dann ausgebaut und an gleicher Stelle durch den Elektromotor ersetzt. Das kaum benutzte Dieselaggregat geht zurück ins Werk von VW Nutzfahrzeuge – für den Kurzeinsatz im nächsten Abt e-Modell.

Wir sind inzwischen im mittelalterlichen Zentrum von Kempten unterwegs, gleiten fast lautlos an der Residenz vorbei und nehmen Kurs aufs Rathaus. Da hier Tempo 30 gilt, erzeugt der e-Transporter einen künstlichen Sound – zum Schutz der Fussgänger. Ab 30 Stundenkilometern ist Schluss damit, dann ist das Abrollgeräusch der Reifen laut genug.

Der e-Transporter wird zwar von Abt e-Line umgebaut, kann aber ganz normal bei ausgewählten VW Nutzfahrzeuge Partnern konfiguriert und bestellt werden. Entsprechend verfügt er über die gewohnten Service- und Garantieleistungen. Abt e-Line hat zudem darauf geachtet, möglichst viele Serienteile zu übernehmen – vom e-Crafter, aber auch vom e-Golf –, was die Arbeit in den Werkstätten vereinfacht.

Das Fazit nach unserer Testrunde: Der Transporter 6.1 bewegt sich auch elektrisch gewohnt souverän und bietet die Vorzüge eines über 70 Jahre lang optimierten Fahrzeugkonzepts. Wer auf der letzten Meile emissionsfrei und leise unterwegs sein will, findet im Abt e-Transporter 6.1 die ideale Lösung.

VW Nutzfahrzeuge wird elektrisch

Ebenfalls auf die «Letzte Meile» ausgerichtet ist der im polnischen Werk von VW Nutzfahrzeuge gebaute e-Crafter. Seine Batterie verfügt über einen Energiegehalt von 35,8 Kilowattstunden, was im Stadtverkehr für eine Reichweite von bis zu 115 Kilometern sorgt (gemäss WLTP). Das Laderaumvolumen umfasst 10,7 Kubikmeter, die mit maximal 979 Kilogramm gefüllt werden dürfen.

Ausschliesslich mit E-Antrieb erhältlich wird ab 2022 der ID. Buzz sein, das erste Modell von VW Nutzfahrzeuge auf Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB). Mit einem Radstand von 3,3 Metern, einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern und einem kraftvollen Allradantrieb ist er für die meisten Aufgaben bestens gerüstet.